MÜNCHEN (IT BOLTWISE) – In der modernen Medizin wird zunehmend auf Künstliche Intelligenz (KI) gesetzt, um Diagnosen zu stellen und Anomalien frühzeitig zu erkennen. Doch eine neue Studie wirft Fragen auf, ob diese Technologien mit der Zeit an Zuverlässigkeit verlieren.
Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Medizin hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Insbesondere bei der Diagnose von Krankheiten und der Analyse medizinischer Daten bieten KI-Modelle erhebliche Vorteile. Sie können Anomalien in Röntgenbildern oder medizinischen Historien erkennen, bevor diese für das menschliche Auge sichtbar werden. Doch eine kürzlich veröffentlichte Studie im BMJ wirft nun Fragen auf, ob diese Technologien mit der Zeit an Zuverlässigkeit verlieren.
Die Studie, die am 20. Dezember 2024 veröffentlicht wurde, untersucht die kognitiven Fähigkeiten von großen Sprachmodellen (LLMs) und Chatbots. Die Forscher stellten fest, dass diese Modelle, ähnlich wie Menschen, Anzeichen von kognitiven Beeinträchtigungen im Laufe der Zeit zeigen. Dies könnte die Annahme in Frage stellen, dass KI bald menschliche Ärzte ersetzen wird.
Die Wissenschaftler testeten öffentlich zugängliche LLM-gesteuerte Chatbots, darunter OpenAI’s ChatGPT, Anthropic’s Sonnet und Alphabet’s Gemini, mit dem Montreal Cognitive Assessment (MoCA) Test. Dieser Test wird normalerweise verwendet, um kognitive Beeinträchtigungen bei Menschen zu erkennen, beispielsweise bei Alzheimer oder Demenz. Die Ergebnisse zeigten, dass während einige Aspekte wie Benennung, Aufmerksamkeit und Sprache für die meisten LLMs einfach waren, sie in Bereichen wie visuellen und räumlichen Fähigkeiten sowie exekutiven Aufgaben schlecht abschnitten.
Besonders bemerkenswert war, dass die neueste Version von ChatGPT (Version 4) mit 26 von 30 Punkten am besten abschnitt, während das ältere Gemini 1.0 LLM nur 16 Punkte erreichte. Dies deutet darauf hin, dass ältere LLMs Anzeichen von kognitivem Verfall zeigen. Die Autoren der Studie betonen jedoch, dass ihre Ergebnisse nur beobachtend sind und die Unterschiede zwischen der Funktionsweise von KI und dem menschlichen Gehirn eine direkte Vergleichbarkeit ausschließen.
Dennoch könnte dies auf einen signifikanten Schwachpunkt hinweisen, der die Einführung von KI in der klinischen Medizin verlangsamen könnte. Insbesondere wird davor gewarnt, KI in Aufgaben einzusetzen, die visuelle Abstraktion und exekutive Funktionen erfordern. Diese Ergebnisse werfen auch die amüsante Vorstellung auf, dass menschliche Neurologen möglicherweise einen neuen Markt erschließen könnten – die Behandlung von KIs, die Anzeichen kognitiver Beeinträchtigungen zeigen.
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