MÜNCHEN (IT BOLTWISE) – In einer Zeit, in der soziale Medien eine immer größere Rolle im Alltag spielen, zeigt eine neue Studie, wie Influencer auf Plattformen wie Instagram und TikTok Gesundheitsängste schüren, um fragwürdige medizinische Tests zu bewerben.



Die sozialen Medien haben sich zu einem mächtigen Werkzeug entwickelt, das nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch zur Verbreitung von Informationen genutzt wird. Eine aktuelle Studie der Universität Sydney, veröffentlicht im Journal der American Medical Association, beleuchtet, wie Influencer auf Plattformen wie Instagram und TikTok emotionale Erzählungen nutzen, um umstrittene Gesundheitstests zu bewerben. Diese Tests, die oft ohne ausreichende wissenschaftliche Grundlage angepriesen werden, können zu Fehlinformationen und unnötigen medizinischen Eingriffen führen.

Die Studie untersuchte fünf spezifische Tests, die trotz begrenzter Beweise für ihren Nutzen bei gesunden Menschen auf sozialen Medien diskutiert werden. Dazu gehören Ganzkörper-MRT-Scans, genetische Tests zur Früherkennung von Krebs, Bluttests zur Bestimmung des Testosteronspiegels, der Anti-Müller-Hormon-Test zur Bestimmung der Eizellreserve bei Frauen und der Darmmikrobiom-Test. Die Forscher analysierten 982 Beiträge von Konten mit insgesamt über 194 Millionen Followern, die zwischen April 2015 und Januar 2024 veröffentlicht wurden.

Dr. Brooke Nickel, die Hauptautorin der Studie, betont, dass diese Tests oft unter dem Vorwand der Selbstermächtigung beworben werden. Die Botschaft lautet, dass frühe Untersuchungen den Menschen helfen, die Kontrolle über ihre Gesundheit zu übernehmen. Doch Nickel warnt davor, dass diese Tests gesunden Menschen unnötige Diagnosen bescheren könnten, was zu überflüssigen Behandlungen und psychischen Belastungen führen kann.

Ein besonders besorgniserregendes Beispiel ist der Darmmikrobiom-Test, der trotz seiner frühen Entwicklungsphase von einem Instagram-Account mit über 65.000 Followern als Mittel zur Lösung spezifischer Gesundheitsprobleme angepriesen wird. Die Studie fand heraus, dass 87,1 % der Beiträge die Vorteile der Tests betonten, während weniger als 15 % mögliche Schäden erwähnten. Nur 6 % der Beiträge wiesen auf Überdiagnosen oder Übernutzung hin.

Interessanterweise waren Beiträge von Ärzten eher bereit, auf mögliche Schäden hinzuweisen und weniger geneigt, einen rein werblichen Ton anzuschlagen. Dennoch gab es Fälle, in denen auch Ärzte die Tests stark bewarben. Ein Arzt mit über 65.000 Followern auf TikTok empfahl beispielsweise den Multi-Krebs-Früherkennungstest, indem er darauf hinwies, dass die Wahrscheinlichkeit, im Alter an Krebs zu erkranken, hoch sei und jährliche Tests helfen könnten, Krebs frühzeitig zu erkennen.

Die Studie zeigt, dass die Gefahr der Überdiagnose bei Krebs am deutlichsten ist, insbesondere bei Ganzkörper-MRTs und Multi-Krebs-Früherkennungstests. Überdiagnose bedeutet, dass sehr frühe Krankheitsformen diagnostiziert werden, die wahrscheinlich keine Symptome oder Probleme verursachen, deren Kenntnis jedoch mehr Schaden als Nutzen anrichten kann.

Zusätzlich zu den Bedenken hinsichtlich der Überdiagnose gibt es die finanziellen Kosten der Tests selbst und der teuren Interventionen, die daraus resultieren können. Nickel betont, dass stärkere Regulierungen notwendig sind, um sicherzustellen, dass die Verantwortung nicht allein bei den Einzelpersonen liegt, die durch Fehlinformationen getäuscht werden könnten.

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Soziale Medien und die Gefahr von Fehlinformationen bei Gesundheitstests
Soziale Medien und die Gefahr von Fehlinformationen bei Gesundheitstests (Foto: DALL-E, IT BOLTWISE)

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