BERLIN / MÜNCHEN (IT BOLTWISE) – In einer überraschenden Wendung der Energiepolitik erwägen Union und SPD die Reaktivierung stillgelegter Kohlekraftwerke, um die stark schwankenden Strompreise in Deutschland zu stabilisieren. Diese Maßnahme, die auf den ersten Blick wie ein Rückschritt in die fossile Vergangenheit wirkt, könnte sich als effektiver Hebel gegen die Preisvolatilität erweisen, wenn sie gezielt und begrenzt eingesetzt wird.
Die Idee, Kohlekraftwerke zur Stabilisierung der Strompreise zu nutzen, mag zunächst wie ein Rückschritt erscheinen. Doch die neue Regierungskoalition sieht in den stillgelegten Anlagen eine wirtschaftspolitische Chance, um gezielt auf Preisspitzen zu reagieren. Diese Strategie könnte nicht nur die Industrie entlasten, sondern auch das Vertrauen in die Energiewende stärken, indem sie kurzfristige Preisschwankungen abfedert.
In Deutschland stehen derzeit Kraftwerke mit über acht Gigawatt Leistung in Reserve, die aufgrund der Klimaziele nicht am Markt teilnehmen dürfen. Diese Anlagen, hauptsächlich Kohlekraftwerke, sind technisch voll funktionsfähig und könnten bei Bedarf aktiviert werden, um den Strompreis zu stabilisieren. Der Vorschlag sieht vor, diese Reservekraftwerke nur dann einzusetzen, wenn der Strompreis an der Börse ein politisch definiertes Limit überschreitet.
Der Essener Kraftwerksbetreiber Steag hat ein Modell entwickelt, das zeigt, wie der Einsatz von sechs Gigawatt Kohlekraft bei einem Börsenstrompreis von etwa 400 Euro pro Megawattstunde das Preisniveau fast halbieren könnte. Dies würde nicht nur die Belastung für Industrie und Verbraucher reduzieren, sondern auch die Eingriffe der Netzbetreiber minimieren und letztlich zu niedrigeren Netzentgelten führen.
Die politische Unterstützung für diesen Mechanismus ist überraschend stabil. Im Entwurf des Koalitionsvertrags ist die Maßnahme bereits fest verankert. CDU/CSU und SPD planen, die Reservekraftwerke nicht nur zur Vermeidung von Engpässen, sondern auch zur Stabilisierung des Strompreises einzusetzen. Ziel ist eine spürbare Entlastung von mindestens fünf Cent pro Kilowattstunde.
Allerdings gibt es auch Kritik an diesem Ansatz. Umweltschützer und einige Wettbewerber warnen davor, dass das Kappen von Preisspitzen die Investitionssignale für Speicher, Gaskraftwerke und flexible Verbraucher gefährden könnte. Doch die Befürworter argumentieren, dass Speicherprojekte derzeit ohnehin einen Antragsboom erleben und Kohlekraftwerke in Dunkelflauten eine zuverlässigere Energiequelle darstellen könnten.
Die Kohlereserve könnte helfen, die Lücke zwischen den aktuellen Anforderungen und den langfristigen Klimazielen zu überbrücken, ohne diese zu verraten. Die Anlagen müssen weiterhin Emissionszertifikate kaufen, was ihren Einsatz teuer und selten hält. Sobald genügend steuerbare Gaskraftwerke und Speicher am Netz sind, soll ihr Einsatz enden.
Der Begriff der „Brückentechnologie“ könnte in diesem Fall tatsächlich funktionieren: Eine befristete Rückkehr fossiler Kapazitäten, um in einem dysfunktionalen Markt die Preisdämpfung zu unterstützen. In einem Stromsystem, das zunehmend wettergesteuert ist, kann ein wenig Steuerbarkeit den Unterschied zwischen einer funktionierenden Industrie und einem deindustrialisierten Standort ausmachen.
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