MÜNCHEN (IT BOLTWISE) – Eine kürzlich entdeckte Fähigkeit von metallischen Mineralien am Meeresboden, Sauerstoff in völliger Dunkelheit zu produzieren, wirft neue Fragen über die Entstehung des ersten Sauerstoffs auf der Erde auf.
Die Entdeckung, dass polymetallische Knollen am Meeresboden in der Lage sind, Sauerstoff zu erzeugen, hat die wissenschaftliche Gemeinschaft aufgerüttelt. Diese Knollen, auch als Manganknollen bekannt, können in Verbindung mit Salzwasser genug Elektrizität erzeugen, um eine Meerwasserelektrolyse auszulösen. Dies stellt die bisherige Annahme infrage, dass Sauerstoff auf der Erde ausschließlich durch photosynthetische Organismen wie Algen und Pflanzen produziert wurde.
Andrew Sweetman, Professor an der Scottish Association for Marine Science, hat ein dreijähriges Projekt initiiert, um die Produktion von „dunklem“ Sauerstoff genauer zu untersuchen. Dabei plant das Forschungsteam, Regionen zu erforschen, in denen der Meeresboden mehr als 10 Kilometer tief liegt. Ferngesteuerte Tauchroboter sollen eingesetzt werden, um diese extremen Tiefen zu erkunden.
Einige der geplanten Experimente werden in Zusammenarbeit mit NASA-Wissenschaftlern durchgeführt. Ziel ist es, herauszufinden, ob ähnliche Mechanismen mikroskopisches Leben in den Ozeanen anderer Planeten und Monde ermöglichen könnten. Diese Forschung könnte unser Verständnis vom Ursprung des aeroben Lebens grundlegend verändern.
Die Entdeckung hat auch wirtschaftliche Implikationen. Es gibt Bestrebungen, die Knollen im Rahmen des Tiefseebergbaus abzubauen. Diese Knollen sind nicht nur wegen ihrer Fähigkeit zur Sauerstoffproduktion interessant, sondern enthalten auch wertvolle Metalle wie Lithium, Kupfer, Nickel, Kobalt und Titan, die in der Elektronikindustrie stark nachgefragt sind.
Bereits in den 1980er-Jahren gab es erste Abbauversuche, die jedoch zu ökologischen Katastrophen führten. Flächen ohne Manganknollen wurden zu Todeszonen, in denen selbst Bakterien nicht überleben konnten. Diese Gebiete haben sich auch nach mehr als 30 Jahren nicht erholt, während knollenreiche Gebiete eine hohe Biodiversität aufweisen.
Die neue Entdeckung könnte nicht nur unser Verständnis der Entstehung von Sauerstoff auf der Erde verändern, sondern auch neue Wege für die Erforschung von Leben auf anderen Planeten eröffnen. Die Zusammenarbeit mit der NASA zeigt das Potenzial dieser Forschung für die Astrobiologie und die Suche nach Leben im Universum.
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