MÜNCHEN (IT BOLTWISE) – Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass subtile Veränderungen in der Informationsverarbeitung des Gehirns frühe Warnsignale für Alzheimer sein könnten, selbst bei Menschen, die noch kognitiv gesund erscheinen.
Alzheimer ist eine fortschreitende Erkrankung, die das Gehirn schädigt und allmählich Gedächtnis und Denken beeinträchtigt. Studien zeigen, dass die Krankheit lange vor dem Auftreten offensichtlicher Symptome beginnt, mit der Ansammlung abnormaler Proteine wie Amyloid-Beta-Plaques und Tau-Fibrillen in Bereichen des Gehirns, die das Gedächtnis unterstützen. Diese Veränderungen führen schließlich zu strukturellen Schäden, funktionellen Störungen und kognitivem Abbau.
Eine neue Studie, veröffentlicht in Alzheimer’s Research & Therapy, zeigt, dass kleine Verschiebungen in der Art und Weise, wie das Gehirn Informationen verarbeitet, als frühe Warnzeichen für Alzheimer dienen könnten. Besonders bei älteren afroamerikanischen Erwachsenen, die keine Anzeichen von Demenz zeigen, wurde festgestellt, dass höhere Werte eines blutbasierten Biomarkers mit einer reduzierten Flexibilität in der Zusammenarbeit von gedächtnisbezogenen Gehirnregionen und niedrigeren Punktzahlen bei einem Test zur Generalisierung verbunden sind.
Die Studie hebt die Bedeutung von nicht-invasiven Methoden wie Gehirnscans, kognitiven Tests und Blutuntersuchungen hervor, um das Risiko von Alzheimer zu erkennen, bevor traditionelle Gedächtnistests ein Problem aufzeigen. Insbesondere afroamerikanische ältere Erwachsene sind einem überproportional hohen Risiko ausgesetzt, an Alzheimer zu erkranken, sind jedoch in der Forschung und klinischen Studien unterrepräsentiert. Blutbasierte Tests bieten eine weniger belastende Alternative zur Identifizierung gefährdeter Personen.
Die Forscher untersuchten 148 afroamerikanische Erwachsene über 60 Jahre, die keine Anzeichen von Demenz zeigten. Alle Teilnehmer hatten normale Ergebnisse im Mini-Mental-Status-Test und waren nicht mit einer neurodegenerativen Erkrankung diagnostiziert worden. Die Forscher bewerteten das Gedächtnis jeder Person mit einer traditionellen verbalen Erinnerungsaufgabe und ihre Generalisierungsfähigkeit mit einem speziell entwickelten videobasierten Spiel.
Die Teilnehmer gaben auch Blutproben ab, die auf drei Alzheimer-bezogene Biomarker analysiert wurden: p-tau231, p-tau181 und das Verhältnis von zwei Formen von Amyloid-Beta (Aβ42 und Aβ40). Innerhalb von zwei Wochen nach den Tests unterzogen sie sich einem MRT-Scan, um zu untersuchen, wie flexibel sich ihre medialen Temporallappen-Netzwerke im Laufe der Zeit veränderten.
Die Ergebnisse zeigen, dass Teilnehmer, die besser bei der Generalisierungsaufgabe abschnitten, eine größere Flexibilität in ihren medialen Temporallappen-Netzwerken hatten. Dies deutet darauf hin, dass ein Gehirn, das in der Lage ist, Verbindungen zu verschieben und neu zu organisieren, flexibles Denken besser unterstützen kann. Im Gegensatz dazu zeigte die Leistung bei der verbalen Erinnerungsaufgabe keinen Zusammenhang mit der Netzwerkflexibilität, was darauf hindeutet, dass diese Aufgaben unterschiedliche kognitive Prozesse messen.
Die Forscher fanden heraus, dass höhere Plasmaspiegel von p-tau231, einem mit Tau-Fibrillen im Gehirn assoziierten Proteinfragment, stark mit schlechterer Generalisierungsleistung und reduzierter Netzwerkflexibilität im medialen Temporallappen verbunden waren. Ein zweiter Tau-Marker, p-tau181, war ebenfalls mit niedrigeren Generalisierungspunkten verbunden, obwohl der Effekt schwächer war und nicht mit der Netzwerkflexibilität zusammenhing.
Diese Ergebnisse legen nahe, dass Tau-bezogene Veränderungen, insbesondere p-tau231, die Flexibilität des Gedächtnissystems beeinträchtigen und die Fähigkeit, vergangenes Lernen in neuen Kontexten anzuwenden, lange bevor der Gedächtnisverlust offensichtlich wird, stören könnten. Diese Erkenntnisse bauen auf früheren Arbeiten auf, die zeigen, dass die Generalisierungsfähigkeit mit dem Alter abnimmt und besonders empfindlich auf frühe Alzheimer-bezogene Veränderungen im Gehirn reagieren könnte.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung der frühen Erkennung und hebt das Potenzial nicht-invasiver Screening-Methoden hervor, einschließlich kognitiver Bewertungen, die nicht auf traditionellen Gedächtnistests basieren. Die Integration von Blut-Biomarkern mit kognitiven und bildgebenden Werkzeugen könnte ein genaueres und umfassenderes Bild davon liefern, wer gefährdet ist und wann Interventionen beginnen sollten.
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