MÜNCHEN (IT BOLTWISE) – Die jüngste Entdeckung der NASA-Raumsonde Lucy hat die Wissenschaftsgemeinschaft in Aufregung versetzt. Der Asteroid Dinkinesh, der ursprünglich als Ziel für einen Vorbeiflug im Jahr 2023 ausgewählt wurde, hat sich als noch faszinierender herausgestellt als erwartet.
Die NASA-Raumsonde Lucy hat bei ihrem Vorbeiflug am Asteroiden Dinkinesh eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht: Der Asteroid wird von einem Doppelmond begleitet. Diese Entdeckung war eine Überraschung für das Wissenschaftsteam, das bereits die Möglichkeit eines Begleiters in Betracht gezogen hatte, jedoch nicht mit einem sogenannten Kontakt-Binärkörper gerechnet hatte. Diese Konstellation, bei der zwei Himmelskörper in engem Kontakt stehen, wurde bisher noch nie beobachtet.
Die beiden Monde von Dinkinesh, die einen Durchmesser von 210 und 230 Metern haben, umkreisen den Asteroiden in einer Entfernung von 3,1 Kilometern und benötigen dafür etwa 53 Stunden. Die Entdeckung wurde durch die Analyse der Lichtkurven des Asteroiden ermöglicht, die auf Unregelmäßigkeiten hindeuteten. Die Lichtkurven, die durch die Rotation des Asteroiden um seine Achse entstehen, zeigten ein ungewöhnliches Muster, das auf die Anwesenheit eines Begleiters schließen ließ.
Die Mission Lucy, die im Rahmen des Discovery-Programms der NASA durchgeführt wird, hat das Ziel, Asteroiden auf der Jupiterbahn zu untersuchen. Diese sogenannten Trojaner-Asteroiden sind von besonderem Interesse, da sie wertvolle Informationen über die Frühzeit des Sonnensystems liefern können. Ursprünglich war für das Jahr 2023 kein Vorbeiflug an einem Asteroiden geplant, doch die Entdeckung von Dinkinesh bot eine einzigartige Gelegenheit, die Instrumente der Sonde zu testen und wertvolle Daten zu sammeln.
Die Entdeckung des Doppelmondes Selam, wie der Begleiter von Dinkinesh inzwischen genannt wird, wirft ein neues Licht auf die Entstehung von Asteroidenbegleitern. Der sogenannte YORP-Effekt, bei dem Sonnenlicht die Oberfläche eines Asteroiden erwärmt und dadurch dessen Rotationsgeschwindigkeit verändert, könnte eine Rolle bei der Entstehung von Selam gespielt haben. Diese Theorie wird durch die Beobachtung unterstützt, dass das Material, aus dem die Monde bestehen, möglicherweise von Dinkinesh selbst stammt.
Die Ergebnisse des Vorbeiflugs wurden kürzlich im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlicht und bieten neue Einblicke in die Dynamik von Asteroiden und ihren Begleitern. Die Entdeckung von Selam könnte auch Auswirkungen auf zukünftige Missionen haben, da sie zeigt, dass selbst kleine Asteroiden komplexe Systeme sein können. Dies könnte die Planung und Durchführung von Missionen zu anderen Asteroiden beeinflussen und neue Herausforderungen für die Wissenschaftler darstellen.
Die Lucy-Mission wird in den kommenden Jahren weitere Asteroiden untersuchen, darunter mehrere Trojaner auf der Jupiterbahn. Diese Untersuchungen könnten weitere Überraschungen und neue Erkenntnisse über die Entstehung und Entwicklung des Sonnensystems liefern. Die Entdeckung von Selam ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie viel es noch zu lernen gibt und wie wichtig es ist, die Grenzen unseres Wissens ständig zu erweitern.
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