MÜNCHEN (IT BOLTWISE) – In einer Zeit, in der digitale Souveränität immer wichtiger wird, diskutiert Europa über Maßnahmen zur Förderung von Open-Source-Software und zur Reduzierung der Abhängigkeit von US-amerikanischen Technologiegiganten.
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Die Diskussion um digitale Souveränität in Europa hat in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen, insbesondere angesichts der zunehmenden Abhängigkeit von US-amerikanischen Technologiekonzernen wie Microsoft, Amazon und Google. Diese Abhängigkeit wird von vielen als Bedrohung für die europäische Wirtschaft und Gesellschaft angesehen. Harald Wehnes, Informatikprofessor aus Würzburg, betont die Notwendigkeit, ernsthafte Schritte in Richtung alternativer Softwarelösungen zu unternehmen, um die Unabhängigkeit Europas zu stärken.
Ein zentraler Vorschlag in dieser Debatte ist die Einführung von Zöllen auf US-Software, um Open-Source-Alternativen zu fördern. Wehnes argumentiert, dass die ständig steigenden Lizenzkosten für Produkte wie Microsoft Office eine Art Steuer darstellen, die die europäische Wirtschaft belastet. Mit den Einnahmen aus den Zöllen könnten Open-Source-Projekte finanziert werden, um eine stärkere Unabhängigkeit zu erreichen.
Der Vorschlag stößt jedoch auf gemischte Reaktionen. Sebastian Raible von der European Open Source Software Business Association sieht Zölle skeptisch, da sie den internationalen Handel behindern könnten. Er betont jedoch die Notwendigkeit, die Investitionen in europäische IT-Services und Kapazitäten zu erhöhen, um die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern zu verringern.
Ein weiterer Aspekt der Diskussion ist die Entwicklung eines sogenannten EuroStack, einer Initiative, die von einem internationalen Expertenteam unter der Leitung von Francesca Bria vorgeschlagen wurde. Ziel ist es, bis 2035 rund 300 Milliarden Euro in gemeinsame Plattformen, Datenräume und Standards zu investieren, um die digitale Unabhängigkeit Europas zu stärken.
Hans-Joachim Popp vom Bundesverband der IT-Anwender Voice fordert ebenfalls ernsthafte Schritte in Richtung alternativer Software. Er schlägt vor, Standardprodukte wie Microsoft Word und Excel durch europäische Alternativen zu ersetzen und weiterzuentwickeln. Dies würde nicht nur die Abhängigkeit verringern, sondern auch die Innovationskraft Europas stärken.
Frank Karlitschek, CEO von Nextcloud, kritisiert das Narrativ, dass Europa technologisch hinterherhinkt. Er betont, dass europäische IT-Unternehmen oft übersehen und unterfinanziert bleiben, während das Potenzial lokaler Innovationen ignoriert wird. Nextcloud selbst arbeitet an einer Open-Source-Alternative zu Microsoft 365, um die europäische Unabhängigkeit zu fördern.
Die EU-Kommission wird aufgefordert, eine Regelung einzuführen, die vorschreibt, dass 50 Prozent der Software in kritischen Infrastrukturen auf Open Source basieren sollte. Dies würde nicht nur die Abhängigkeit von US-amerikanischen Anbietern verringern, sondern auch die Entwicklung von Startups und Organisationen in diesem Bereich fördern.
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